Holzpreise – Endlich Preisrückgang oder -stabilität?

Immer mehr Zeichen sprechen aktuell von einer Stabilisierung der Preispolitik im Holzmarkt: Preiseinbrüche in den USA, bereits Mitte des Monats erfüllte Juli-Lieferungen, erstmalig wieder versandte Lagerlisten und vermehrte Schnittholzangebote.

Treffen der Holzexporteure in Innsbruck zeigt Tendenz auf

Am 16. Juli traf sich die Holzexporteursrunde in den Räumen der Firma Gutmann in Innsbruck und war sich einig: „Ja, eine Wende am Holzmarkt ist bereits eingeläutet.“ Besonders der Entwicklung in den Vereinigten Staaten werden von den Teilnehmern große Bedeutung beigemessen. So lautet die Schlussfolgerung hierzu: „Jahrelang wurden wir angewiesen, auf die US-Preise zu schauen – solange diese viel höher seien, müssen unsere Preise auch rauf. Nun sind sie unter unseren und das muss Folgen haben.“

Auch wurde nach Monaten des Mangels völlig überrascht festgestellt, dass sämtliche Juli-Bestellungen schon angeliefert wurden. „Die geringe Verfügbarkeit war heuer neben den kaum kalkulierbaren Preisen ein Hauptproblem. Nun scheint wieder Ware vorhanden zu sein“, stellte man fest.

In Italien hat man den Scheitelpunkt erreicht: Nach den Erhöhungen zu Beginn des 3. Quartals sieht man die Preise an einem Kulminationspunkt angelangt. Bis September gehen die Holzexporteure nun von stabilen Preisen aus. Denn selbst ohne reale Preissenkungen, höre man schon Appelle an die Produzenten: „Bitte haltet die Preise oben.“ Man verwies auf italienische Kunden, die große Mengen auf Lager haben. „Die haben sich am Preishoch eingedeckt. Falls nun die Preise sinken, sind deren Lager entwertet.“

50 Euro pro m3 ist die neue Verhandlungseinheit

Die vergangenen Monate haben das Geschäft ohnehin für immer verändert – statt um Cent-Beträge feilsche man nun in 50-Euro-Schritten. Da diese größeren Preissprünge auch zukünftig erhalten blieben, steige somit das Risiko für die Händler. Um eine konstante Verdienstspanne zu gewährleisten, müsse auch der Handel mehr verdienen, wenn die Ware teurer wird.

Eine weitere Forderung fiel in der Runde: „Verträge sind einzuhalten!“ Je höher das Preisniveau, desto unfairer seien einzelne Abnehmer. Erstmals seit Monaten trudelten vereinzelte billigere Gegenangebote im Süden ein. „Ein Vertrag zählt nichts mehr, wenn solch‘ ein besseres Angebot reinkommt“, wurde beklagt.

Normale Lieferzeiten ab viertem Quartal

Die Holzexporteure sehen das jahrzehntelang aufgebaute Image der Branche durch den ständigen Preiskampf nachhaltig geschädigt. In Österreich ruhen viele Baustelle, zum einen, weil Holz fehlt oder es einfach zu teuer ist. Einer der Exporteure beklagt: „Wir bekommen derzeit kaum Leimholzanfragen für den Herbst. Die Holzbau-Unternehmen können einfach keine Angebote mehr stellen. Manche haben volle Auftragsbücher, müssen jetzt aber abstellen.“

Der Holzhandel sieht also den Zenit des Preiskampfs am österreichischen Markt als überschritten. Derzeit rechne man damit, dass sich die Lieferzeiten im vierten Quartal dieses Jahrs wieder in Richtung Normalität einpendeln. Als Fazit des letzten halben Jahres 2021 wurde getroffen: „Die Zeiten des billigen Rohstoffes Holz sind vorbei. Aber wenn wir nicht wieder Konstanz und Berechenbarkeit ins Geschäft bekommen, verspielen wir unsere Vorteile.“

Höhere Preise bedeuten höheren Einschlag

Ein Grund für den Preisanstieg ist auch die kritische Versorgungslage – von der Fichte wäre „viel zu wenig am Markt“. Das verhalf zuletzt der Kiefer zu einem Preisanstieg von bis zu 55 %. Dazu kam es aufgrund der hohen Nachfrage und der Einsicht, dass „es die Schnittholzpreise locker hergeben“. Die in- und ausländischen Waldbesitzer „wurden vier, fünf Jahre geprügelt – jetzt haben sie eine stolze Brust und übernehmen das Ruder“, hieß es zusammengefasst. Bei Import von Rundholz wurde ebenfalls festgestellt: Verträge halten nicht mehr. Es gibt derzeit kaum Diskussionsrunden über den Rundholzmarkt, ohne dass man auf die „chinesischen Einkäufer“ zu sprechen kommt.

Das Rekordpreisniveau beim Rundholz werde im Herbst für einen starken Einschlag im Kleinprivatwald sorgen. Außerdem wurde darauf verwiesen, dass die Planumsätze der Forstbetriebe bei nahezu verdoppelten Rundholzpreisen früh erreicht wären. Was sich wie auswirken wird, werde man sehen.

Die Zeiten des günstigen Rohstoffs Holz sind vorbei

Nach einem halben Jahr Preiswahnsinn, in dem sich manche Preise vervierfacht haben, ist der Zenit langsam erreicht. Im Herbst werden die Karten neu gemischt. Für den Endkunden bedeutet das wieder ein reelles Holzangebot, das auch endlich wieder etwas mit Angebot und Nachfrage zu tun hat.

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